DIE WELT IST LETZTLICH JA VOR ALLEM EINS: GEHEIMNISVOLL. ABER DIE SPRACHE FÜR DAS GEHEIMNIS IST UNS VERLORENGEGANGEN.

alles ist Geheimnis
Geheimnis ist um uns herum, und wir sind selbst Geheimnis: Es gibt im Grunde nichts, das sich wirklich verstehen lässt. Zwar schiebt die Wissenschaft die Kenntnisschwelle immer weiter fort, doch was ist hinter ihr? Wir wissen nicht, warum Leben lebendig ist, wir wissen nicht, was die Materie ausmacht, was Raum ist oder Zeit – was uns aus Gewohnheit selbstverständlich scheint, es badet alles in Geheimnis.

etwas fehlt
Es gab etwas, das sich vollkommen dem Geheimnis widmete: die Religion. Für sie war das Geheime gleich dem Heiligen, und Gott, der Unergründliche, war dessen Inbegriff. Die Aufklärung verbannte all das in die Rumpelecke – nicht ohne Grund. Und doch ging dabei Wichtiges verloren. Denn wenn der Mensch nicht mehr Umgang hat mit dem Geheimnis, verkürzt er sich aufs pure Funktionieren, und auch das Wissen ist ohne sein eigenes Negativ nur halbe Wahrheit. Es fragt sich also: Woher das nehmen, das uns derzeit fehlt?

neue Sprache
Reden muss man zunächst einmal, sonst geht es nicht. Doch Worte haben es nicht leicht mit dem Geheimnis. Die einen hat die eigene Vorgeschichte aus der Form gebracht, die anderen sind zu grobschlächtig und laut. Wie immer man das Sprechen auch versucht – unweigerlich vertreibt es just, was es zu sagen hätte. Stumm bleiben also? Nein. Wir müssen unsere Sprache wieder tauglich machen, mit dem Geheimnisvollen umzugehen.